2. Netzwerkveranstaltung der Partnerbetriebe Naturschutz 2015

"GESELLSCHAFTLICHER WANDEL - EINE CHANCE FÜR PARTNERBETRIEBE NATURSCHUTZ!!"
am:      05. November 2015 von 9.30 bis 16.30 Uhr
im:       Dienstleistungszentrum ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück

Bei den sogenannten "neuen" Herausforderungen, denen landwirtschaftliche Betriebe sich stellen müssen, nehmen die wachsenden Anforderungen an eine umweltschonende, nachhaltige Landbewirtschaftung einen besonderen Stellenwert ein. Das Schlagwort "Greening" steht exemplarisch dafür.

Partnerbetriebe Naturschutz gehen sogar einen Schritt weiter – Sie machen sich das Thema „Naturschutz“ zu eigen, setzen sich aktiv damit auseinander und nutzen das Angebot, sich umfassend hierzu beraten zu lassen. Und sie tragen es in die Öffentlichkeit.
Wir sind überzeugt, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben und das Thema „Naturschutz im Betrieb“ ein Zukunftsthema bleiben wird. Im Rahmen der Veranstaltung haben wir versucht, die Chancen, die sich hieraus ergeben können, zu beleuchten und neue Impulse zu setzen.

Netzwerk Einlad. Prog

Begrüßung und Einführung

Paul Frowein, Leiter des DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, begrüßte die Gäste und dankte allen Anwesenden für ihr Interesse und ihr Engagement für den betrieblichen Naturschutz.

Besonders dankte er den engagierten Praktikern in ihren Betrieben - sie zeigen mit ihrem Bekenntnis zum Naturschutz in besonderem Maße Weitsicht, Verantwortungsgefühl und Pioniergeist – denn auch wenn das Netzwerk der Partnerbetriebe zwischenzeitlich schon auf beachtliche fast 240 Teilnehmer angewachsen ist, ist dies doch immernoch ein sehr geringer Anteil der in Rheinland-Pfalz wirtschaftenden Betriebe.
Brigitte Leicht, Koordinatorin des Partnerbetrieb Naturschutz am DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, stellt die aktuellen Entwicklungen im Partnerbetrieb Naturschutz dar:
Seit der Einführung des Partnerbetrieb Naturschutz als landesweites Beratungs- und Förderangebot haben 3 Bewerbungsverfahren stattgefunden (2010, 2012, 2014), an denen sich insgesamt ca. 240 Betriebe beteiligt haben. Davon sind – Stand Ende 2015:

  • 138 anerkannte Partnerbetriebe
  • ca. 100 Betriebe, die entweder noch in der Beratungsphase sind oder deren Anerkennung noch aussteht
Man hofft, dass im kommenden Jahr weitere Partnerbetriebe Naturschutz anerkannt werden können und auch wieder ein Bewerbungsverfahren stattfinden kann. Darüber hinaus stellt Sie in Ihrem Vortrag einige Aktivitäten und Beispiele der letzten Jahre vor.

B. Leicht Einführung

Impulsbeitrag

Unter dem Titel "Naturschutz in der Landwirtschaft - ein Dienst für die Gesellschaft" nahm die Agrarwissenschaftlerin Dr. Maren Heincke den gesellschaftlichen Wert des betrieblichen Naturschutzes in den Fokus. In ihrer Funktion als Referentin für den ländlichen Raum beim Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau der Evangelischen Kirche ist sie auf Landes- wie auf Bundesebene einbezogen in den gesellschaftlichen Diskurs über Fragen der Agrarpolitik, der Entwicklung des ländlichen Raumes sowie zur Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Produktionssysteme. Vor diesem Hintergrund gelang es ihr, unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema zu vermitteln und dabei ein Bewusstsein für die Notwendigkeit eines gegenseitigen Verständnisses unterschiedlicher Gesellschaftsgruppen für die jeweiligen Bedürfnisse zu schaffen.

Sehr einprägsam war ihre Analyse der grundsätzlichen Frage „Warum sollen wir Biodiversität erhalten?“ Sie benannte drei Argumentationsebenen, die für den Diskurs zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Gesellschaft alle wichtig sind:
-       Klugheitsargumente
-       Gerechtigkeitsargumente
-       Glücksargumente
Ihre Präsentation (ohne Bilder), mit Vertiefungen zu diesen Ebenen sowie weiteren Fakten, Thesen und Gedanken zum Thema Landwirtschaft – Naturschutz steht hier zum Download bereit.

M. Heincke Na Sch Ethik o bilder

Soziale Landwirtschaft

Partnerbetriebe Naturschutz stellen sich vor
Markus Steffen
, Schäfermeister, Heilpädagoge und als Teilnehmer am Modellprojekt Partnerbetrieb Naturschutz der ersten Stunde stellt in seinem Vortrag „Die Geschichte von Fritz und seinem Hut“ die Ziele der von ihm mit geleiteten Jugendhilfeeinrichtung Menschen-Schafe-Landschaften e. V. vor. Unter dem Motto „Soziales Lernen und emotionale Entwicklung in der Wanderschäferei“ bietet die Einrichtung so genannten „schwer erziehbaren“ Jugendlichen Unterstützung bei ihrer Entwicklung hin zu selbstverantwortlichen Persönlichkeiten, indem sie im Betrieb lernen Verantwortung zu übernehmen und Bindungen einzugehen.
Markus Steffen stellte auf sehr beeindruckende Art und Weise das besondere Potenzial von landwirtschaftlichen Strukturen heraus, im Rahmen von Konzepten der Sozialen Landwirtschaft
Chancengeber für sozial benachteiligte (junge) Menschen zu sein.


M. Steffen Das ist Fritz


Hieran knüpfte Thomas van Elsen vom Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel-Witzenhausen in seinem Vortrag "Soziale Landwirtschaft – eine Perspektive multifunktional verstandener Landwirtschaft" an, in dem er zunächst allgemein das Prinzip der Sozialen Landwirtschaft erklärte und anschließend anhand von zahlreichen Beispielen aus Deutschland, aber auch weit darüber hinaus, die Vielfältigkeit der Möglichkeiten, bedürftige Menschen in einen landwirtschaftlichen Betrieb zu integrieren, vorstellte. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass das Thema bei vielen Anwesenden mit großem Interesse aufgenommen wurde. Van Elsen ist Mitbegründer der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft und stellt sich gerne als Ansprechpartner für interessierte Betriebe zur Verfügung.
Weitere Informationen und Kontaktdaten finden sich unter
www.soziale-landwirtschaft.de.

Tv Elsen Soziale LW

  • Diskussion
Aus aktuellem Anlass entspann sich in diesem Kontext auch ein Austausch darüber, wie sich interessierte Betriebe bei der Integration von Flüchtlingen sinnvoll einbringen können. Hierzu wurde mehr Information gewünscht.
Die Recherche ergab, dass grundsätzlich großes Potenzial vorhanden ist, die Möglichkeit, Flüchtlingen im Rahmen von Praktika, Beschäftigungsverhältnissen oder Ausbildungsverträgen Angebote zu machen, jedoch zunächst von ihrem so genannten Aufenthaltstitel abhängt.

Konkrete Informationen hierüber können die Ausländerbehörden bzw. die lokalen Arbeitsagenturen geben.
Darüber hinaus bietet die rheinland-pfälzische Landwirtschaftskammer im Rahmen des Programms „Passgenaue Besetzung“ Unterstützung bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen sowie bei der Integration von ausländischen Fachkräften an. Nähere Informationen und entsprechende Kontaktdaten zu Ansprechpartnern finden Sie unter
http://www.lwk-rlp.de/berufsbildung/passgenaue-besetzung/.
 

Ökologie

Nutzpflanzenvielfalt erkennen und erhalten!
Mit einem der meist vergessenen Aspekte der Biologischen Vielfalt beschäftigten wir uns im zweiten Block: der Vielfalt der Gene!
Es ist schwierig, im Rahmen einer Veranstaltung für Partnerbetriebe Naturschutz betriebsübergreifend interessante Themen im Bereich "Ökologie" zu finden - vereint sich in diesem Netzwerk doch die gesamte Vielfalt der in Rheinland-Pfalz denkbaren Betriebsstrukturen bzw. Produktionsausrichtungen. Eine traditionelle Nutzungsform, die in sehr vielen Betrieben noch zu finden ist, sind die Streuobstwiesen. Häufig sind es sozusagen alte Erbstücke, ökologisch wertvolle Obstwiesen, die vor vielen Jahren angelegt wurden und seither im Betrieb geblieben sind. Und häufig stehen auf diesen Wiesen alte Obstsorten, deren Namen und frühere Nutzung nicht mehr bekannt sind.
Dipl. Biologin Dr. Bettina Orthmann und der Pomologe Richard Dahlem führen in die Bedeutung historischer Nutzpflanzen ein und machten darüber hinaus das Angebot, Obstsorten vom Experten bestimmen und sich über ihre Geschichte informieren zu lassen. Die Möglichkeit Fruchtproben mitzubringen, wurde von neun Betrieben genutzt. Insgesamt waren es
- über 100 Proben, die abgeben wurden,
- 38 Sorten konnten bestimmt werden und
- 32 Proben waren nicht sofort zu identifizieren.
Neben einigen modernen, verbreiteten Sorten, wie Gloster und Idared oder Jonagold, stammten viele Proben von bewährten historischen Sorten, die wegen ihrer guten  Erträge (z.B. Rheinischer Bohnapfel, Brettacher), der vielseitigen Verwertbarkeit (Rheinischer Winterrambour, Kaiser Wilhelm), oder auch wegen spezieller Eignungen (als Süßapfel für das Apfelkraut, die Champagnerrenette, als lange lagerfähiger feiner Tafelapfel) geschätzt werden.
Pomologische Aufmerksamkeit zieht der Doppelte Dausenauer Bohnapfel auf sich, eine Sorte, die in der Region Koblenz namentlich bekannt, der aber bisher keine Beschreibung in der Literatur zugeordnet werden kann, und die auch im heutigen Sortiment der Baumschulen nicht mehr vertreten ist. Einige dieser alten Sorten und ihre Standorte werden nun in die Datenbank „Historische Nutzpflanzen in Rheinland-Pfalz“ aufgenommen und sind somit im rheinland-pfälzischen Bestand erfasst.

Dr. Bettina Orthmann stellte anschließend das von ihr geleitete Projekt „Förderung historischer Nutzpflanzensorten“ und die Bedeutung der Datenbank vor.

Wer Interesse an der Erhaltung und Erfassung historischer Sorten in Rheinland-Pfalz hat, kann sich gerne mit Frau Dr. Orthmann in Verbindung setzen. Unter www.biodiversitaet.dlr.rlp.de finden Sie die notwendigen Kontaktdaten und weitere Informationen.

B. Orthmann Nutzpflvielf

Ökonomie

Im dritten Themenblock stand das Medium Internet und seine Möglichkeiten im Fokus.

Das Internet als Motor für die erfolgreiche Direktvermarktung
Wie kann ich mit Hilfe des Internets meine Direktvermarktung optimieren? Manfred Wehr, Partnerbetrieb Naturschutz aus Boppard-Windhausen, gab Einblicke, wie er dies in seinem Betrieb seit Jahren erfolgreich umsetzt.
Wenn man auf das Internet als Vermarktungsmedium setzt, ist eine intelligente Internet-Präsenz die grundlegende Voraussetzung. Das Ziel muss es sein, dass potenzielle Kunden auf einfachen Wegen die eigene Website finden. Deshalb sollte man sich im Vorfeld mit den folgenden Fragen intensiv befassen
Wer sind meine Kunden?
Was ist mein Produkt bzw. wonach suchen meine Kunden im Internet?
Wo suchen die Kunden?
Wie sorge ich dafür, dass meine Kunden mich finden?
So macht es Sinn, die richtigen Schlagworte zu verwenden, so viele wie passend und so häufig wie möglich. Welche anderen Plattformen nutzen potenzielle Kunden möglicherweise? Kann man sich dorthin verlinken?
Er rät allen, sich bei die Erstellung der eigenen Homepage gut beraten zu lassen. Gerne steht er auch für weiteren Erfahrungsaustausch bereit. Unter http://www.highlandcattle-hunsrueck.de/ finden Sie die notwendigen Kontaktdaten zu Herrn Wehr.



Crowdfunding – Eine Finanzierungsalternative für landwirtschaftliche Betriebe?
Welche Chancen bietet mir das Internet, finanzielle Unterstützung für mein Projekt, meine Idee zu finden?
Monika Wallhäuser
hat im Rahmen Ihres Masterstudiums der Agrarwissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kommunikation in sozialen Medien (ikosom) die Potenziale des Crowdfunding-Prinzips für die Landwirtschaft untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass gerade für Betriebe mit „Botschaft“ diese Finanzierungsform eine Alternative sein kann. Wichtig beim Crowdfunding ist es, andere von der eigenen Idee (für die eine Finanzierung gesucht wird) begeistern zu können. Und hierfür ist die Botschaft wichtig, die Leute begeistert bzw. überzeugt. Partnerbetriebe Naturschutz bringen hierfür sehr gute Voraussetzungen mit – die Idee des Naturschutzes ist für viele sinnstiftend und von daher unterstützenswert. Aber auch andere Botschaften „funktionieren“ (Tierschutz, Regionalität, soziales Engagement etc.).
Frau Wallhäuser stellt vor, wie Crowdfunding funktioniert, was es für ein erfolgreiches Projekt braucht und unter welchen Voraussetzungen eine solche Finanzierungsform ins Auge gefasst werden sollte.
Nähere Informationen zum Crowdfunding und die Veröffentlichte Studie finden Sie unter
www.ikosom.de/publikationen/crowdfunding-for-food-finanzierungsalternative-fur-landwirtschaftliche-betriebe/.

M. Wallhäuser Growd Fd






Katharina.Hoerter@dlr.rlp.de      drucken