Blüten besuchende Insekten im landwirtschaftlichen Betrieb

Blüten besuchende Insekten wie Honigbiene, Wildbienen, Fliegen, Wespen, Schmetterlinge, Käfer und andere haben eine entscheidende Funktion im Ökosystem. Sie bestäuben auf ihrer Nahrungssuche die besuchten Pflanzen. Circa 80 Prozent der einheimischen Blütenpflanzen sind auf die Fremdbestäubung durch Insekten angewiesen. Ein Mangel an Blütenbestäubern führt bei Kulturpflanzen (Obst, Raps, Sonnenblumen) zu deutlichen Mindererträgen und zu Qualitätsverlusten. Zusätzlich dienen die Blüten besuchenden Insekten als Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Insektenfresser.

Die Lebensbedingungen der Blütenbestäuber haben sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert. Überdeutlich wurde dies bei den hohen Bienenverlusten im Winter 2002/2003. Deutschlandweit starben circa 30 Prozent der Honigbienenvölker (mehr als 300.000!). Die Verknappung der Nahrungsgrundlage der Bienen, also der Rückgang von Nektar und Pollen spendenden Pflanzen ist eine der entscheidenden Ursachen.

 

Wege zur bienenfreundlichen Kulturlandschaft

Die wichtigste Devise auf den Feldern heißt: So viele blühende Pflanzen so lange wie möglich! Eine „Massentracht“ wie Raps, der zwei bis drei Wochen im Jahr blüht, füllt zwar kurzfristig die Honigräume im Bienenvolk und damit die Gläser des Imkers. Sie sichert den Bienen und anderen Bestäuberinsekten aber nicht das Überleben. Bienen brauchen während der gesamten Vegetationszeit Nektar und Pollen - besonders im Spätsommer, um gut genährt in den Winter zu gehen.

Manche Wildbienenarten oder Schmetterlinge sind auf ganz bestimmte Pflanzenarten spezialisiert, die nur auf diesen Standorten vorkommen. Deshalb ist es wichtig, auch ertragsschwache Ackerstandorte weiter zu nutzen. Die Anlage von Ackerrandstreifen zur Förderung von
Ackerwildkräutern ist auch für Blütenbesucher von Bedeutung – die Kornblume beispielsweise stellte früher eine ergiebige Sommertracht für den Imker dar.

Als weitere Maßnahme im Ackerbaubetrieb bietet sich an, wieder gezielt
Trachtpflanzen in die Fruchtfolge einzubauen. Die Fruchtfolgen sind sehr eng geworden, zum Beispiel nach der Rapsblüte im Mai finden die Blütenbesucher auf den Feldern keinen gedeckten Tisch mehr. Werden nach der Getreideernte so schnell wie möglich blühende Zwischenfruchtmischungen angesät, kommen beispielsweise Phacelia, Buchweizen, Ölrettich, Sommerraps, Rübsen, Senf, Wicken, Perser- und Alexandrinerklee im September und Oktober noch zum Blühen. Untersaaten, Mischfruchtanbau und einjährige Blühstreifen am Ackerrand oder auf dem Vorgewende sind weitere Möglichkeiten blühende Kulturen anzubauen. 

Auch blütenreiche Wiesen und Weiden, ungenutzte Böschungen, Wegränder etc. bieten Insekten wertvolle Trachtinseln und Niststrukturen. Durch die Wahl der richtigen Mähtechnik und eines geeigneten Mäh-/Mulchzeitpunkts außerhalb des Bienenflugs kann vielen Insekten das Überleben gesichert werden.

Dritter Baustein, der in keiner Landschaft fehlen sollte, sind vernetzende Landschaftselemente als Nist- und Ruhezonen. Honigbienen haben einen Flugradius von über 3 Kilometer und können größere Distanzen ohne Nahrungsquellen überbrücken. Andere – darunter einige Wildbienenarten – können jedoch nur bis zu 200 Meter weit fliegen. Sie und andere Insekten benötigen ein Netz aus Säumen und Hecken oder auch mal offene Bodenstellen und Böschungskanten als Nistplatz.

Tipps und Handlungsempfehlungen

Im Rahmen eines Projektes zur "Förderung Blüten besuchender Insekten durch Agrarumweltmaßnahmen in Rheinland-Pfalz" wurden sehr praxisnahe Materialien zum Thema erarbeitet und zusammengestellt. Diese stehen hier zum Herunterladen bereit.

Leitbild Mein Betrieb mit Blick auf Blüten bestäubende Insekten

Bildmaterial Bienen, Hummeln & Co. in der Kulturlandschaft

Checkliste Wildbienenstrukturen in meiner Landschaft


Maßnahme Blütenreiches Grünland

Maßnahme Blühstreifen

Tipps Bienenschonendes Mähen

Maßnahme Zwischenfrüchte

Maßnahme Mischfruchtanbau

Maßnahme Untersaaten






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